GREIFSWALDER SPORTGEMEINSCHAFT 01 e.V.

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News der Greifswalder Sportgemeinschaft 01 e.V.

Rugby
15.03.05

„Rollis“ auf Crashkurs

Andreas Orschau war ein gesunder Teenager und begeisterter Sportler – bis vor sechs Jahren. Damals brach er sich bei einem Badeunfall im Urlaub in Spanien den fünften Halswirbel. Seitdem sitzt der 20-Jährige im Rollstuhl und ist an seinen vier Gliedmaßen stark beeinträchtigt, was im medizinischen Fachjargon „Tetraplegie“ genannt wird. Doch trotz des schweren Schicksalsschlages hat sich Andreas Orschau nicht aufgegeben, sondern sich zurück ins Leben gekämpft. Geholfen hat ihm dabei der Sport, seit knapp eineinhalb Jahren spielt er bei den Rollmöpsen Greifswald Rollstuhlrugby.

„Der Sport hat mir neuen Lebensmut gegeben", macht der angehende Informatikkaufmann deutlich. Und auch für seinen Team- und Internatskollegen Kevin Krämer, der wegen eines Wirbelsäulentumors seit seinem zweiten Lebensjahr auf den „Rolli“ angewiesen ist, wäre das Leben ohne Rugby nur halb so schön. „Man wird fitter, selbstbewusster, und es bereichert unseren Alltag", meint der 18-Jährige.

Zwei Mal in der Woche trainieren die Greifswalder, zehn Leute sind derzeit im Team, manche kommen sogar aus Zinnowitz, Neubrandenburg und von Usedom. „Rollstuhlrugby ist der einzige Mannschaftssport für Tetraplegiker, also Querschnittsgelähmte, bei denen auch die Arme behindert sind", erklärte Daniel Lemke, Coach der Greifswalder, der den Sport gerne weiter etablieren würde. „Aber das ist schwierig, weil dafür sehr viele Helfer notwendig sind", weiß der 28-jährige Physiotherapeut um die Schwere des Vorhabens.

In M-V gibt es nur noch in Rostock ein Rollsthlrugby-Team. Insgesamt frönen in Deutschland rund 220 Aktive in Bundesliga, 2. Liga und Regionalliga dem Sport, der 1977 in Kanada erfunden wurde.

Wie auch beim richtigen Rugby ist die Rollstuhlversion nichts für Weicheier. Körperkontakt ist zwar verboten, aber mit ihren 6000 Euro teuren Spezialstühlen knallen die Athleten beim Versuch, den speziellen Volleyball während der vier Mal acht Minuten Spielzeit über die acht Meter breite Torlinie zu bringen, bedingungslos zusammen. „Rollis“ auf Crashkurs. „Das macht richtig Spaß“, erzählt Andreas Orschau. Der Funktionsverlust und die Beugeunfähigkeit in Fingern und Händen werden durch Spezialhandschuhe gemindert. Spezialklebstoffe für die Handschuhe verbessern den Grip an den Rädern und machen die Athleten schneller.

Auch wenn es für die Rollmöpse am Wochenende mit drei Niederlagen sowie einem Sieg nur bedingt erfolgreich lief, peilen die Greifswalder langfristig den Aufstieg in die Bundesliga an. „Das würde ich gerne schaffen. Zudem will ich meine Ausbildung gut bestehen und irgendwann alleine wohnen", blickt Andreas Orschau trotz schwerer Behinderung optimistisch in die Zukunft.