Presse / Berichte der Greifswalder Sportgemeinschaft 01 e.V.
1.Behinderten-Tauchertag in Greifswald.
Auch Rollstuhlfahrer können tauchen, wenn sie wollen. 10 Männer folgten einer Einladung des Neurologischen Rehabilitationszentrums und des Freizeitbades. Keiner von ihnen hat es bereut.
Er führt Ski und spielt Badminton. Doch getaucht ist Daniel Stirnimann, 43, noch nie. Nun sitzt der Rollstuhlfahrer aus Zürich am 3,80 Meter tiefen Sprungbecken und starrt ins Wasser. Sie haben ihm eine Pressluftflasche auf den Rücken gesetzt, Schläuche liegen auf seiner Schulter. Am Leib trägt er eine Weste und auf dem Kopf eine Maske mit Schnorchel. Die Augen des Mannes sind leicht geweitet. Als müsse er sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
Spannend sei es, so etwas auszuprobieren, hatte Stirnimann eine Stunde zuvor noch versichert. Da stand er mit beiden Rädern sicher auf der Erde. Ein Tumor lähmte ihn, vor nunmehr 14 Jahren. Tauchen wenn der Körper sich kaum rührt? "Nicht so problematisch, wenn man will und Leute hat, die helfen", sagt Dr. Michael Lerch.
Seine Botschaft an Menschen wie Stirnimann ist unmissverständlich: "Was Ihr euch vorstellt, könnt ihr auch durchführen." So einfach indes sei das Ganze dann doch nicht, wendet Frank Seifert, 41, aus Ribnitz ein. "Natürlich ist das Tauchen vornehmlich eine Sache der Selbstüberwindung." Was aber, so Seifert, wenn es an Leuten mangelt, die ermuntern und zur Seite stehen, sich vor den Karren spannen und andere mitziehen?
Denn dann, vielleicht, würden auch viel mehr körperbehinderte Menschen zum Sport finden, ja womöglich auch tauchen. "Das nämlich ist ein schönes Gefühl", hat Seifert schon erlebt. "Du schwebst, bist nirgendwo angebunden!" Michael Lerch, ein athletischer Typ mit denkbar kurzen Haaren, ist Arzt im neurologischen Rehabilitationszentrum Greifswald (NRZ).
Er schwärmt von den Revieren im Roten Meer und bei den Malediven. Er tauchte mit Blinden und begriff, dass sie die Welt da unten anders wahrnehmen. Er tauchte mit Taubstummen und verzweifelte fast an ihrer Zeichensprache. Lerch weiß nur zu gut, welche Klippen Menschen mit körperlichem Handicap auf dem Weg ins Wasser umschiffen müssen
